Donnerstag, 29. April 2010 20.00 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Zwei Familien, zwei Vergangenheiten - eine Zukunft

Ein deutsch-polnisches Rechercheprojekt

Die Zukunft der Vergangenheit

Der deutsche Großvater war SS-Mann in Polen, der polnische Großvater wurde in Auschwitz ermordet, zwei Enkel von ihnen sind miteinander verheiratet. Ist ein Zusammenleben von Angehörigen aus Opfer- und Täterfamilien überhaupt möglich? Wie geht die dritte Generation mit einer belastenden Familiengeschichte um, die weiterhin das heutige Alltagsleben prägt? Kann sie das Schweigen brechen? Wie muss die Zukunft gestaltet werden, damit ein friedliches Miteinander möglich ist? Gabriela und Uwe von Seltmann (Krakau) erzählen von ihrem Projekt „Zwei Familien, zwei Vergangenheiten – eine Zukunft“ und berichten von ihrer Recherche nach dem Leben und Sterben von Gabrielas Großvater Michal Pazdanowski.

Uwe von Seltmann hat das Leben seines Großvaters, der in seiner Familie ein Tabu war, nachgezeichnet und in dem Buch „Schweigen die Täter, reden die Enkel“ öffentlich gemacht. Was er gegen den Widerstand von Teilen seiner Familie herausgefunden hatte, war in der Tat nicht angenehm: Großvater Lothar gehörte zum Stab von Odilo Globocnik, einem der brutalsten Massenmörder des Dritten Reiches. Er hatte Kontakt zu Heinrich Himmler und war 1943 an der Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto beteiligt. Im Februar 1945 hat er vermutlich selbst seinem Leben ein Ende gesetzt. Von Michal Pazdanowski, dem Direktor einer Schule, ist bisher wenig bekannt. Warum war er im Konzentrationslager Majdanek inhaftiert? Wie ist er zu Tode gekommen? Wie konnte sich seine Frau mit drei kleinen Kindern vor den Nationalsozialisten retten? Gabriela und Uwe von Seltmann wollen es herausfinden, denn sie sind sich sicher: Ihre Familien stehen exemplarisch für viele andere Familien, die lernen müssen, mit den Geistern der Vergangenheit umzugehen. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch die Zukunft gestalten – so wie es der Dichter Herrmann Hesse gesagt hat: „Es kehrt alles wieder, was nicht bis zu Ende gelitten und gelöst ist“.

Uwe und Gabriela von Seltmann werden das Rechercheprojekt vorstellen und mit Paulina Poznanska (Edith-Stein-Haus/Wroclaw) über Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in Polen und zwischen Polen und Deutschen diskutieren.

Der Abend wird musikalisch gestaltet von dem Berliner Liedermacher Manfred Maurenbrecher, Gewinner der mdr Figaro CD des Jahres 2009.

Moderation:
Stefan Schönfelder, Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen