Donnerstag, 21. Januar 2010 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Trennlinien und Zusammenhalt in der israelischen Gesellschaft

Die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Israel

After-Work-Treffen der Freundinnen und Freunde

Israel ist ein buntes, aufregendes und zerrissenes Land – es scheint aus vielen Planeten zu bestehen, die nichts miteinander zu tun haben außer die Zugehörigkeit zu demselben Sonnensystem. Juden europäischer Herkunft (Aschkenasim) und Juden aus arabischen und muslimischen Ländern (Mizrahis), religiöse und säkulare Juden, jüdische Israelis und palästinensische Bürger und Bürgerinnen Israels. High-Tech-Welt in Herzliya und die Peripherie im Negev als Dritte-Welt-Gegenstück. An wenigen Orten auf der Welt gibt es diese Vielfalt an Kultur, Musik, Büchern, Filmen und Sprachen wie in Israel.

Der öffentliche Diskurs über die innere Spannung und Zerrissenheit wird nicht selten als Diskurs über die Existenzfrage des Landes geführt. Die Frage, ob in 20, 30 oder 40 Jahren der Staat Israel überhaupt noch existieren wird, stellte vor zwanzig Jahren noch niemand. Das hat sich geändert. Kann der Nahost-Konflikt die Risse in der israelischen Gesellschaft vertiefen? Linke Israelis sprechen sich längst für die Aufgabe von Siedlungen in der Westbank und die Teilung Jerusalems aus, die Mitte-Rechts-Regierung will dagegen spätestens nach dem Ende des derzeitigen, begrenzten Siedlungsstopps weiter expandieren. Zunehmend kündigen Soldaten an, im Fall von Siedlungsräumungen den Befehl zu verweigern. Oder führt der Konflikt gar zu neuem Zusammenhalt? In den vergangen 35 Jahren war die Zustimmung zu einer Militärintervention in der jüdischen Mehrheit Israels noch nie so hoch wie während des letzten Gaza-Krieges.

Die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Israel bewegt sich in dem multidimensionalen Kontext der deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Beziehungen sowie der israelisch-palästinensischen und israelisch-arabischen Konflikte. Jörn Böhme, langjähriger Leiter des Landesbüros Israel in Tel Aviv, wird aktuelle Entwicklungen des Landes reflektieren und die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung vorstellen.

Mit:
Jörn Böhme, Leiter des Landesbüros Israel in Tel Aviv