- Donnerstag, 02. Februar 2006 – Freitag, 03. Februar 2006 In meinem Kalender speichern
Russland und die erweiterte Europäische Union – neue Perspektive der gegenseitigen Beziehung?
Reihe Nachbarschaften in Europa: In neuen Grenzen mit gemeinsamen Perspektiven
Mit der Erweiterung der <b>Europäischen
Union</b> hat sich die politische
Landschaft Europas verändert. Die EU
rückt geographisch politisch und historisch
näher an Russland heran. Seit dem 1. Mai
2004 nehmen die neuen Mitglieder der EU
ihre Rolle innerhalb der Gemeinschaft wahr
und bestimmen die Politik der Union auch
den Nachbarstaaten gegenüber mit.
Dadurch hat sich die <b>Russlandpolitik
der EU</b> bereits verändert und auch
das Verhältnis Russlands zu seinen
westlichen Nachbarn wandelt sich.<br>
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Russland ist der größte Nachbarstaat der
Europäischen Union und es wird ein
besonderer Nachbar bleiben. Es ist nicht
möglich, Russland einfach in den
institutionellen Rahmen der neuen
<b>Europäischen Nachbarschaftspolitik
(ENP)</b> einzubeziehen. Dazu ist
Russland zu groß und auch sein
historisches Selbst-Bewusstsein als
eigenständige Großmacht spricht dagegen.
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Die Beziehungen zwischen der EU und der
Russischen Föderation friedlich und im
gegenseitigen Nutzen weiter zu entwickeln,
ist folglich eine besondere
Herausforderung. Bisher folgen den
Fortschritten in der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und in der punktuellen
Zusammenarbeit bei der Lösung
praktischer Fragen kaum Annäherungen im
Bereich der für die EU wichtigen Werte wie
<b>Demokratie, Menschen- und
Freiheitsrechte</b>.<br>
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Hier zeigt sich auch ein deutlicher
Unterschied in Wahrnehmung und
Interessen zwischen den <b>"alten"
und "neuen" Mitgliedern der EU</b>. Die
Irritationen und Verstimmungen zwischen
Deutschland und Polen angesichts der
deutsch-russischen Vereinbarung über den
Bau einer Gaspipeline auf dem Grund der
Ostsee an Polen und den drei baltischen
Staaten vorbei sind nur ein Beispiel dafür.
Eine wirkliche gemeinsame Russlandpolitik
der EU wird es aber nur geben, wenn
insgesamt die gemeinsamen Interessen
der "alten" und der "neuen" EU-Mitglieder
als größer und stärker wahrgenommen
werden als die jeweiligen Einzelinteressen
dieser Staaten Russland gegenüber.
Für die Gestaltung einer
partnerschaftlichen Beziehung mit der
Europäischen Union wird sich auch
Russland bald entscheiden müssen, welche
der Richtungen: europäisch-westliche oder
imperial–eurasische, die Entwicklung
seiner Europapolitik perspektivisch
bestimmen wird.
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