Dienstag, 06. März 2007 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern

Jour Fixe: Afghanistan auf der Kippe?

Auf der Galerie... Debatten zur internationalen Politik

Der Krieg, den die internationale Gemeinschaft bereits gewonnen glaubte, ist nach Afghanistan zurückgekehrt. Das vergangene Jahr war das blutigste seit dem Sturz der Taliban. 4.000 Menschen starben – ein Viertel von ihnen waren Zivilisten. In den nächsten Wochen wird mit einer Intensivierung der Kämpfe gerechnet. 10.000 Kämpfer und 2.000 Selbstmordattentäter stünden bereit, verkündeten kürzlich die Taliban.

Die NATO-geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf bereitet ihrerseits eine Offensive vor. Staaten wie die USA, Großbritannien und Kanada, deren Truppen im hart umkämpften Süden Afghanistans stationiert sind, haben deutlich gemacht, dass sie Verstärkung von anderen NATO-Staaten erwarten. Dem Druck der Bündnispartner, sich mit Tornado-Aufklärungsflügen am
Einsatz im Süden zu beteiligen, hat die Bundesregierung bereits nachgegeben.

Die Verschärfung der Kämpfe droht den zivilen Wiederaufbau in den Hintergrund zu drängen. Die Diskussion um Truppenstärken und Bündnistreue verdeckt die zahlreichen ungelösten Probleme Afghanistans. Der Drogenanbau erreichte im vergangenen Jahr neue Rekorde. Drogenbarone und frühere Kriegsverbrecher haben hohe Regierungsämter inne und gestalten die Gesetzgebung in ihrem Sinne. Die Reform des Justizwesens kommt nur schleppend voran. Der Aufbau einer funktionierenden Polizei muss beschleunigt werden, wofür sich nun die EU stärker engagieren will.

Trotz Milliardenhilfen der internationalen Gemeinschaft mangelt es dem afghanischen Staat an Einnahmen, um eigene Institutionen nachhaltig aufzubauen und so bei seinen Bürgern Vertrauen zu gewinnen. Auf internationale  Afghanistan-Konferenzen der letzten Monate wurde immer wieder die Notwendigkeit einer verbesserten zivil-militärischen Zusammenarbeit betont. Doch scheint die zivile Komponente beim Wiederaufbau Afghanistans immer stärker ins Hintertreffen zu geraten. Das wirft die Frage nach den generellen Risiken und Chancen eines zivil-militärischen Engagements in Postkonflikt- und Konfliktregionen auf.

- Wie kann ein langfristiger Aufbauprozess in Afghanistan angesichts der verschlechterten Sicherheitslage abgesichert werden?
- Welche Strategien haben Afghanistan und die internationale Gemeinschaft im Umgang mit Pakistan, in dessen Grenzgebiet die Taliban in hohem Maße ihre Kämpfer rekrutieren?
- Welche Probleme des Wiederaufbaus in Afghanistan sind grundsätzliche Fragen der zivil-militärischen Zusammenarbeit? Was kann aus dem Umgang mit diesen Problemen in Afghanistan für künftige internationale Einsätze gelernt werden?

Mit:
Aziz Rafiee, Geschäftsführer des Afghan Civil Society Forums, Kabul
Thomas Gebauer, Geschäftsführer medico international
Winfried Nachtwei, MdB Bündnis90/Die Grünen

Moderation:
Anett Keller, die tageszeitung
Flyer (PDF)