- Dienstag, 02. März 2010 20.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Iran im 31. Jahr der Revolution - Frauen in der Grünen Bewegung
Jour Fixe der Heinrich-Böll-Stiftung und der tageszeitung taz
Bei den Massendemonstrationen nach den umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahlen vom 6. Juni 2009 waren auf den Fotos und Videos der Demonstrationen immer auch Frauen präsent: mit locker sitzenden grünen Kopftüchern, Schals und einem Bändchen um das Handgelenk - oder auch im Tschador. Und nachdem die Repression des Regimes zuschlug - mit Toten, Verletzten, Inhaftierten, Vergewaltigungen und Folter in den Gefängnissen, Schauprozessen und zuletzt auch Hinrichtungen - gingen sie weiter auf die Straße. Die oppositionelle „Grüne Bewegung“ nutzte geschickt die offiziellen Aufmärsche, auf die das Regime zur eigenen Mobilisierung und Selbstversicherung angewiesen ist, so zuletzt an Aschura, dem höchsten schiitischen Trauertag, und am 11. Februar, dem 31. Jahrestag des Sturzes des Schah-Regimes.
Iranerinnen erheben ihre Stimmen
Im vergangenen Jahrhundert gab es viele Anlässe, die Iranerinnen dazu brachten, ihre Stimme zu erheben. Zunächst, unter dem Schah-Regime, waren es eher die Angehörigen der Oberschicht. Nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 gingen vorwiegend linke Frauen zusammen mit ihren männlichen Verbündeten auf die Straße. Doch mit dem Erstarken der iranischen Zivilgesellschaft, die auch eine Reaktion auf die Enttäuschung der Amtszeit des reformistischen Präsidenten Mohammed Chatami (1997-2005) war, betraten zahlreiche Frauen einen neuen Weg. Die `Eine Million Unterschriften Kampagne` war zu Beginn ein breites Bündnis von aktiv religiösen bis zu laizistischen Frauen (und unterstützenden Männern), die sich für Gleichheit vor dem Gesetz einsetzten. Dieser Initiative ging es nicht um die Zahl der Signaturen. Die Kampagne war vielmehr ein Mittel, auf Probleme aufmerksam zu machen, die nicht nur die Frauen aus der Mittel- und Oberschicht betreffen. Es war ein Versuch, die beiden Kulturen des Iran, die eher gebildet-städtische und die vorwiegend traditionell-ländliche zusammenzubringen. Diese Aktivistinnen und zahlreiche andere Vertreter zivilgesellschaftlicher Gruppen im Iran waren es, die den Anstoß gaben für die Partys auf den Teheraner Straßen vor den Wahlen und die Demonstrationen danach.
Perspektiven der „Grünen Bewegung“
Die Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Mir Hossein Mussavi und Mehdi Karrubi. die selbst in den Reihen des Regimes Karriere gemacht haben, sind bisher zur Erleichterung ihrer Anhänger/innen nicht eingeknickt. Allerdings gibt es heute in diesen Kreisen eine Strategiedebatte darüber, wie es mit der Bewegung weitergehen soll: Während die einen Reformen im Rahmen der bestehenden Ordnung anstreben, fordern die anderen eine Überwindung der veleyat-e faghi, der Herrschaft der Rechtsgelehrten, und treten für eine Trennung zwischen Staat und Religion ein. Einig ist sich die Opposition hingegen in der Ablehnung der Gewalt und der Einschätzung, dass die Bewegung nicht mehr umkehrbar ist. Und sie geht davon aus, dass es sich um einen Prozess handelt, die vielleicht noch anderthalb oder zwei Jahre dauern kann.
Welche Strategien werden also im Iran über das weitere Vorgehen der „Grünen Bewegung“ diskutiert? Wo werden solche Debatten geführt und wie beteiligen sich Frauen daran? Wie soll sich die Bewegung gegenüber dem Regime und seinen Anhänger/innen verhalten? Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle? Wie blicken im Vielvölkerstaat Iran Minderheiten wie Kurden oder Aseris auf die „Grüne Bewegung“? Mit welchen weiteren Reaktionen des Regimes ist zu rechnen?
Iranerinnen erheben ihre Stimmen
Im vergangenen Jahrhundert gab es viele Anlässe, die Iranerinnen dazu brachten, ihre Stimme zu erheben. Zunächst, unter dem Schah-Regime, waren es eher die Angehörigen der Oberschicht. Nach dem Sieg der Islamischen Revolution 1979 gingen vorwiegend linke Frauen zusammen mit ihren männlichen Verbündeten auf die Straße. Doch mit dem Erstarken der iranischen Zivilgesellschaft, die auch eine Reaktion auf die Enttäuschung der Amtszeit des reformistischen Präsidenten Mohammed Chatami (1997-2005) war, betraten zahlreiche Frauen einen neuen Weg. Die `Eine Million Unterschriften Kampagne` war zu Beginn ein breites Bündnis von aktiv religiösen bis zu laizistischen Frauen (und unterstützenden Männern), die sich für Gleichheit vor dem Gesetz einsetzten. Dieser Initiative ging es nicht um die Zahl der Signaturen. Die Kampagne war vielmehr ein Mittel, auf Probleme aufmerksam zu machen, die nicht nur die Frauen aus der Mittel- und Oberschicht betreffen. Es war ein Versuch, die beiden Kulturen des Iran, die eher gebildet-städtische und die vorwiegend traditionell-ländliche zusammenzubringen. Diese Aktivistinnen und zahlreiche andere Vertreter zivilgesellschaftlicher Gruppen im Iran waren es, die den Anstoß gaben für die Partys auf den Teheraner Straßen vor den Wahlen und die Demonstrationen danach.
Perspektiven der „Grünen Bewegung“
Die Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Mir Hossein Mussavi und Mehdi Karrubi. die selbst in den Reihen des Regimes Karriere gemacht haben, sind bisher zur Erleichterung ihrer Anhänger/innen nicht eingeknickt. Allerdings gibt es heute in diesen Kreisen eine Strategiedebatte darüber, wie es mit der Bewegung weitergehen soll: Während die einen Reformen im Rahmen der bestehenden Ordnung anstreben, fordern die anderen eine Überwindung der veleyat-e faghi, der Herrschaft der Rechtsgelehrten, und treten für eine Trennung zwischen Staat und Religion ein. Einig ist sich die Opposition hingegen in der Ablehnung der Gewalt und der Einschätzung, dass die Bewegung nicht mehr umkehrbar ist. Und sie geht davon aus, dass es sich um einen Prozess handelt, die vielleicht noch anderthalb oder zwei Jahre dauern kann.
Welche Strategien werden also im Iran über das weitere Vorgehen der „Grünen Bewegung“ diskutiert? Wo werden solche Debatten geführt und wie beteiligen sich Frauen daran? Wie soll sich die Bewegung gegenüber dem Regime und seinen Anhänger/innen verhalten? Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle? Wie blicken im Vielvölkerstaat Iran Minderheiten wie Kurden oder Aseris auf die „Grüne Bewegung“? Mit welchen weiteren Reaktionen des Regimes ist zu rechnen?
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