Dienstag, 30. August 2005 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Die Protokolle der Weisen von Zion - Anatomie einer Fälschung

Lesung und Diskussion mit Hadassa Ben-Itto

<b>Buchpräsentation</b><br> <br> Hadassa Ben-Itto ist vor dem Holocaust aus Polen nach Palästina geflohen, sie kämpfte im israelischen Unabhängigkeitskrieg, wurde eine der ersten Richterinnen des jüdischen Staates und war mehrmals Repräsentantin Israels in der UNO-Vollversammlung. Im August kommt sie nach Potsdam.<br> <br> Sie konstruiert in Ihrem Buch die unglaubliche Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der wohl berühmtesten aller judenfeindlichen Fälschungen. Die „Protokolle“ geben vor, Geheimdokumente einer jüdischen Weltverschwörung zu sein. Tatsächlich handelt es sich um einen fiktionalen Text, der aus verschiedenen Quellen montiert worden ist. Die "Weisen von Zion" hätten demnach Wirtschaftskrisen, Revolutionen und Kriege angezettelt, um eine jüdische Weltherrschaft zu errichten. Vermutlich in Kreisen der zaristischen Geheimpolizei in Russland entstanden, gelangten die Protokolle nach der russischen Revolution nach Westeuropa und in die USA. Mit der finanziellen Unterstützung des Industriellen Henry Ford wurde das Pamphlet in viele Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet. Die Schriften avancierten zur Grundlage des Nationalsozialismus und zu einem Motiv für den Holocaust. Obwohl bereits 1921 zweifelsfrei als Fälschung entlarvt, war der Siegeszug der Protokolle nun nicht mehr aufzuhalten. Ideologie- und kulturübergreifend dient(e) das Konstrukt der jüdischen Weltverschwörung fortan als Propagandavorwurf und Waffe gegen die Juden und schließlich gegen Israel. In Ägypten wurde 2002 eine Fernsehserie ausgestrahlt, die auf den „Protokollen" beruhte, die offizielle Website der Palästinensischen Autonomiebehörde präsentiert die Protokolle als Dokument in der Sektion "Geschichte des Zionismus". Auch Rechte Gruppierungen in den USA und in Deutschland berufen sich bis heute auf die „Protokolle“.
Anne-Frank-Zentrum Berlin