Freitag, 01. Dezember 2006 19.00 – 21.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Der Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und Lew Kopelew

Reihe Kunst und Politik

Heinrich Böll und der russische Literaturwissenschaftler und Dissident Lew Kopelew waren eng befreundet. Sie trafen sich vermutlich zum ersten Mal auf einer Reise Bölls in die Sowjetunion im Jahre 1962. Beide waren passionierte Briefschreiber, und so gibt es eine Fülle von überlieferten Briefen, Postkarten und Telegrammen (rund 300 Schriftstücke), schwerpunktmäßig aus der Zeit von 1962 bis 1980, dem Jahr der Ausreise Kopelews in die Bundesrepublik Deutschland. Die Dokumente liegen vor allem im Kölner Heinrich-Böll-Archiv und im Archiv der Osteuropa-Forschungsstelle der Bremer Universität.

Briefe ermöglichen ebenso wie Tagebücher die Innensicht auf gesellschaftlich-kulturelle  Entwicklungen und eröffnen neue Betrachtungsmöglichkeiten der Zeitgeschichte. Die Heinrich-Böll-Stiftung möchte mit der Herausgabe dieses Briefwechsels einen Beitrag zur Erschließung zeitgeschichtlicher Quellen leisten. Gerade der Korrespondenz Böll-Kopelew kommt ein ganz besonderer Stellenwert zu: Heinrich Böll ist der Namensgeber der Stiftung, dessen Werk und Ideen sie sich verpflichtet fühlt, Lew Kopelew gehört zu den Initiatoren der Stiftung.
Der Briefwechsel gibt Aufschluss über die Rezeption von Heinrich Böll in der Sowjetunion sowie über eine Vielzahl von bedeutenden zeitgeschichtlichen Zusammenhängen.

Als Quellenmaterial gerade zur sowjetischen Dissidenzgeschichte ist das Material überaus bedeutsam. Vor allem die Beziehung von Teilen der sowjetischen Dissidenten, für die Lew Kopelew eine wichtige Integrationsfigur war, zu unabhängig denkenden westlichen Intellektuellen, wie Heinrich Böll sie in herausragender Weise verkörperte, ist äußerst interessant. (Elsbeth Zylla, Projektleiterin Herausgabe des Briefwechsels Böll-Kopelew)
Veranstalter*in
Landesstiftung Thüringen