- Montag, 18. Dezember 2006 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern
Debatte auf der Galerie: Venezuela hat gewählt: Bolivarianische Revolution oder Rückkehr in den Hinterhof
Ausblick auf eine weitere Amtszeit von Hugo Chavez oder zurück zur US-Orientierung?
Von den meisten Medien und Experten prognostiziert,
von Vielen erhofft, von Einigen befürchtet: Hugo Chavez hat die
Präsidentschaftswahlen in Venezuela klar gewonnen - wie schon alle anderen
Urnengänge zuvor. Nun wird er, mit einem noch robusteren Mandat ausgestattet,
das Land für weitere sechs Jahre regieren.
Kaum ein Präsident Lateinamerikas ist so umstritten wie Chavez: Tatsächlich ist es ihm während seiner ersten Amtszeit gelungen, mit den Öleinnahmen des Landes die Armut in Venezuela deutlich zu reduzieren. Die arme Bevölkerungsmehrheit verfügt nun über einen deutlich verbesserten Zugang zu einer qualitativ akzeptablen Gesundheitsversorgung und guten Bildungsangeboten sowie neue politische Beteiligungsmöglichkeiten.
Andererseits führt seine eigenartige Mischung aus caudillistischem Populismus und erratischer Politik auch zu heftiger Kritik. Obwohl Chavez und seine Politik immer wieder in einwandfreien Abstimmungen demokratisch legitimiert wurden, wirft ihm der größte Teil der vermögenden Ober- und Mittelschicht Venezuelas diktatorisches Verhalten, Machtmissbrauch und eine verfehlte Wirtschaftspolitik vor - für die traditionellen Oligarchien ist er eine Hassfigur par excellence.
Kontroversen
löst Chavez allerdings nicht nur im extrem polarisierten Venezuela aus. Seine
fragwürdigen Staatsbesuche bei diversen Diktatoren der Welt werden auch von
Befürwortern des venezolanischen Modells kritisiert und sorgen bei anderen
progressiven Regierungen der Region für hochgezogene Augenbrauen. Die Rolle
Venezuelas in der lateinamerikanischen Außenpolitik ist ebenfalls
umstritten: Auf der einen Seite spielt
Venezuela im regionalen Kontext eine zentrale Rolle im Emanzipationsprozess von
den USA. Andererseits lösen z.B. die geplanten neuen Megaprojekte in der
Region, mit denen die Energieversorgung gewährleistet werden soll und die von
Großstaudämmen, Atomkraftwerken bis zur Gaspipeline von Venezuela nach
Argentinien reichen, gerade in der Zivilgesellschaft ernsthafte Sorgen vor
einem umweltpolitischen Rückschritt in das Entwicklungsmodell der sechziger
Jahre aus.
Wie sind die Wahlen verlaufen? Hat die Regierung
Chavez eine stabile Grundlage? Was bedeuten sechs weitere Jahre bolivarianische
Revolution für die Bevölkerung des Landes? Welche Rolle wird Venezuela in den
nächsten Jahren im lateinamerikanischen Kontext einnehmen? Welches
Entwicklungsmodell wird angestrebt? Und wie und in welchen Bündnissen verortet
sich Venezuela künftig, auch gegenüber den USA?
Referenten:
Gregory Wilpert, Journalist aus Venezuela
Raul Zelik, Schriftsteller und Dozent am Lateinamerikainstitut, FU Berlin
Dr. Hans Jürgen Burchardt, Universität Kassel (angefragt)
Moderation:
Annette v. Schönfeld, Heinrich-Böll-Stiftung
- Veranstalter*in
- Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung Berlin
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