- Montag, 13. Dezember 2010 16.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Berlin: Werkstatt der Einheit?
veranstaltet von `Rosa Luxemburg Stiftung`
Zweitens soll daran erinnert werden, dass in der Folge dieses Beitritts- und Anschlussverfahrens die neunziger Jahre damit vertan wurden, die alte Westberliner Entwicklungspolitik – vom Beharren auf endogenen Wachstumsfaktoren über die entwicklungspolitische Orientierung auf einmalige Events bis hin zum krampfhaften Festhalten an der bisherigen internationalen Westausrichtung Westberlins – um jeden Preis fortzusetzen, obwohl allein schon durch den abrupten Wegfall der speziellen Berlinfinanzierung die Grundlagen dafür vollständig entzogen worden waren. Ohne zu spekulieren, wollen wir daran erinnern, welche Alternativen dazu bestanden hätten – sowohl die Art und Weise der gesamtstädtischen Vereinigung als auch einen stadtpolitischen Kurswechsel betreffend. Sie wurden vor allem von der PDS entwickelt und regelmäßig leichtfertig – weil man sich für die „Fortführung Westberlins in den Dimensionen der Gesamtstadt“ entschieden hatte – abgetan. So wurde Berlin zur „Werkstatt der deutschen Einheit“, jedoch – entgegen den ursprünglich positiv verstandenen Intentionen dieses Slogans – vor allem im Auslassen der wirklichen Chancen, die ein gleichberechtigtes Zusammenführen der Stadthälften, verbunden mit einem entwicklungspolitischen Strategiewechsel, zu einem neuen Ganzen in sich geborgen hätte. Der Weg in die Sackgasse hätte nicht kommen müssen.
Drittens soll speziell nachgewiesen werden, dass der Weg, „Westberlin in den neuen Strukturen einer einheitlichen Stadt fortzuführen“, auch dem ehemaligen Westberlin keinen Nutzen brachte. Westberlin hing 1989 / 1990 völlig am Tropf des Bundes; nahezu jede zweite Mark des Landeshaushaltes kam aus Bonn. Das Konzept „der verlängerten Werkbank“ war in Wirklichkeit nichts anderes als eine Kaschierung des gewaltigen Deindustrialisierungsprozesses, der Westberlin aufgrund seiner politischen Lage längst erfasst hatte. Als besonders neuralgischer Punkt an der Nahtstelle der Systeme ging der Antikommunismus quer durch fast das gesamte politische und gesellschaftliche Lager und wirkte quasi wie ein „einigendes Band“ über viele politische Grenzen hinweg. Zugleich aber war in Westberlin aus gegebenen Gründen die „Inselmentalität“ besonders stark ausgeprägt, und so konnten sich dadurch innerstädtische Fronten stark verhärten, politische Sichtweisen erheblich provinzialisieren sowie Filz und Korruption gedeihen. [...]
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