Dienstag, 21. November 2006 19.30 – 22.00 Uhr In meinem Kalender speichern

Persona non grata: Das Leben tschetschenischer Flüchtlinge in Russland.

Diskussion und Präsentation der Broschüre „Tschetschenien – kein Weg zurück“

Mit: Ljudmila Gendel (Moskau), „Komitee Bürgerhilfe“<br>Ute Weinmann, Journalistin (Moskau)<br><br> Sie sind in Moskau und vielen anderen Regionen Russlands nicht willkommen – Menschen, die vor dem langjährigen Krieg und Verfolgungen aus Tschetschenien geflohen sind. Ihre Situation ist von der offiziellen russischen Sichtweise bestimmt und die lautet: „Es gab keinen Krieg und jetzt ist alles in bester Ordnung“. Demnach bekamen sie faktisch keine staatliche Unterstützung, um ihr Leben an einem anderen Ort neu einzurichten, und werden seit einiger Zeit zunehmend in die zerstörte Republik zurück gedrängt, die immer noch von Terror und Korruption geprägt ist. Neben der Diskriminierung durch Behörden prägt antikaukasischer Rassismus, der unter anderem in medialen Diskursen stark ist, den Alltag. <br><br>Seit der Eskalation antigeorgischer Stimmungen ist klar, dass diese Mechanismen sich auch gegen eine andere „fremde“ Gruppe richten können. <br><br><b>Von der Situation in Russland berichtet Ljudmila Gendel von dem Moskauer „Komitee Bürgerhilfe“ („Grazhdanskoje Sodejstvije“), die in der Publikation „Tschetschenien – Kein Weg zurück“ zu Wort kommt</b><br><br> Diejenigen, die es bis nach Deutschland geschafft haben, finden jedoch auch keine angemessene Behandlung. Mit dem Verweis auf die angebliche innerrussische Fluchtalternative wird versucht, sich der tschetschenischen Flüchtlinge und der Verantwortung für Verfolgte zu entledigen. Die Dublin-II-Regelungen bieten hierzu zusätzliche Möglichkeiten. <br><br> Um auf die Lage der Flüchtlinge aus Tschetschenien aufmerksam zu machen, gab das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. eine Broschüre heraus, in der Flüchtlinge und die, die sich für sie einsetzen, zu Wort kommen. <br><br> Die Broschüre wird präsentiert von der Journalistin Ute Weinmann (Moskau ), einem Mitglied der Redaktionsgruppe. <br><br> <b>Die Broschüre ist kostenlos und kann beim Bildungswerk (info@bildungswerk-boell.de) bestellt werden.<br><br>Aus dem Inhalt:</b><br>- Vor unseren Augen - Das Leid tschetschenischer Flüchtlinge in Deutschland<br>RA Bernward Ostrop, Berlin<br> - Ich mache mir Sorgen um meine Flüchtlinge<br>Interview mit Said, tschetschenischem Flüchtling in Berlin<br> - Anerkennung Asylsuchender aus Russland<br>UNHCR-Statistik<br> - Tschetschenen in „sicheren“ Dublin-Staaten<br>Michael Genner vom Verein „Asyl in Not“, Wien<br> - Mit Kreativität für mehr Respekt<br>Interview mit Simon Mol von der „Association of Asylum Seekers and Refugees in Poland“, Warschau<br> - »Wieso kommst Du schon wieder?«<br>Interview mit Ljudmila Gendel vom „Komitee Bürgerhilfe“, Moskau<br> - Wenigstens sehe ich nicht aus wie eine Tschetschenin<br>Interview mit Imani, tschetschenischer Flüchtlingsfrau in Moskau<br> - Das tschetschenische Syndrom. Gewalteskalation infolge des Krieges<br>RA Stanislaw Markelow, Moskau<br> - Vier bis fünf Prozesse pro Monat<br>Gespräch mit Lidija Naumowa vom „Komitee Nadezhda“, Wolgograd<br> - Opferstatistik<br> - Keine Heime, keine Flüchtlinge? Kampagne der tschetschenischen Regierung zur Schließung der Übergangsunterkünfte<br> - Athmosphäre der Angst. Übersicht über aktuelle Gewaltentwicklungen in Tschetschenien<br>Nach Publikationen des Menschenrechtszentrums von „Memorial“, Moskau<br> - Vor dem Europäischen Gerichtshof. Russland in der internationalen Gerichtsbarkeit<br>Martin Wählisch <br><br> Ansprechspartner/in: Tatiana Golova (t_golova@hotmail.com)