Mittwoch, 25. November 2009 19.30 – 21.30 Uhr In meinem Kalender speichern

Mittwochsgesellschaft mit Dr. Christoph Classen und Dr. phil. Martin Jander

Die unsichtbare Linie - Kollektives Gedächtnis 20 Jahre nach 1989

Deutschland und seine Nachbarn erinnern sich: Vor 20 Jahren ist die Mauer gefallen. Die Bilder von Menschen, die sich in jener Nacht glücklich in den Armen lagen, scheinen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Sie symbolisieren das Ende eines Regimes, über dessen Interpretation bis heute verhandelt wird: Wo verläuft die Linie zwischen Tätern und Opfern? Und was fängt man mit dieser Linie schlussendlich an? Konsens scheint zu sein, dass Vergangenheit 'bewältigt' werden sollte, um das Beschweigen von Geschichte nicht zu wiederholen.
Vor dem Hintergrund einer brandenburgischen Koalition mit den Linken hat sich Ministerpräsident Platzeck für einen „überfälligen Prozess der Versöhnung“ ausgesprochen, durch den die 'Erben der SED' integriert werden sollten. Er zieht den Vergleich zum früheren SPD-Vorsitzenden Schumacher, der als ehemaliger KZ-Häftling SS-Offiziere empfing, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Die unterschiedlichen Beispiele zweier Diktaturen thematisieren die politisch-moralische Frage nach der Integration von 'Belasteten' - manchmal Täter und Opfer zugleich - in postdiktatorischen Gesellschaften. Können wir diesen Weg so gehen- ohne zu verharmlosen, ohne Schluss-Strich-Mentalität?
Dr. Martin Jander ist Dozent der Deutschen und Europäischen Geschichte. Er forscht zu deutsch-deutscher Vergangenheitsbearbeitung, u.a. als Mitglied des Beirats der Robert-Havemann-Gesellschaft. Dr. Christoph Classen, Historiker am Zentrum für Zeitgenössische Forschung Potsdam, beschäftigt sich mit Herrschaft und Integration in Diktaturen und Demokratien des 20. Jahrhunderts.
Veranstalter*in
Landesstiftung Brandenburg