- Donnerstag, 22. Februar 2007 18.00 – 20.00 Uhr In meinem Kalender speichern
Arbeit und Sexualität
Im Rahmen der Ausstellung: normal love - precarious sex. precarious work
Programm:
1. `queer guided tour` um 18.00h (in deutscher Sprache):
Die Gäste des Abends, Johanna Schaffer, Nikita Dhawan und Maria do Mar Castro Varela führen durch die Ausstellung.
Johanna Schaffer: Sexuelle Arbeit an den visuellen Strukturen der Anerkennung (= die fotografische Formatvorlage `bürgerliches Subjekt` queeren)
1965 schreibt der Ideologietheoretiker Louis Althusser, dass ideologische Herrschaft bedeutet, dass sich der Protest der Arbeiterklasse in den Darstellungsstrukturen und -formen der bürgerlichen Ideologie ausdrücken muss.
Meine Untersuchung richtet den Blick auf ein anderes Feld des Protestes – das gegen eine heteronormative sexuelle Ordnung gerichtete, will aber diese Aufmerksamkeit für Repräsentationsdominanz und Formen des Protestes beibehalten. Mich interessieren die fotografischen Portraits Del LaGrace Volcanos und Catherine Opies von Transpersonen, Femmes, Butches, Lesbian Boys, Drag Kings und queeren S/MerInnen als sexuelle Arbeit an einem visuellen Vokabular der Anerkennung, d.h. als
Arbeiten, die an den formalen Rastern, in und an den formalen Referenzbegriffen einer herrschenden bürgerlichen (etc.) Ideologie tätig sind. Darin verhandeln diese visuellen Texte enorme Spannungen, die mit der Geschichte der Gebrauchsweisen des Mediums Fotografie zu tun haben, und sie verhandeln diese Spannungen erfolgreich – wenn angesichts der Geschichte fotografischer Darstellungsgewalt das Angenommenwerden der Repräsentationen durch die Repräsentierten als (ein) Maßstab des Erfolges gewertet wird.
2. Um 19.00h beginnen die Vorträge von Johanna Schaffer und Nikita Dhawan/Maria do Mar Castro Varela (in deutscher Sprache) im Rahmen der Reihe: `Sexualität bei der Arbeit`.
María do Mar Castro Varela/ Nikita Dhawan: Nichts ist Unmöglich! Camp, Queer und die Ökonomie
Der bekannte Slogan Toyotas `Nichts ist unmöglich!` fängt mit bemerkenswerter Direktheit die hervorstechendsten Merkmale des Postfordismus ein: Flexibilisierung und Prekarisierung. Laut Erfinder des Produktionsmodells Toyota, werden im Postfordismus die
grundlegenden Kategorien der Gesellschaft des ausgehenden 20.Jahrhunderts gerade `umgekehrt gedacht`. Nichts scheint hier im doppelten Sinne unmöglich: alles ist mach- und denkbar und nichts scheint verwerflich.
Die Idee des Camp, die gerne im Zusammenhang mit `queerer Ästhetik` gedacht wird, scheint in dieser Logik gar nicht schlecht zu funktionieren. So feiert Camp das Übertriebene und Ironische und stellt die Form immer vor den Inhalt. Es ist deswegen nicht widerspruchsvoll,
dass Bollywoodfilme sich auch – oder insbesondere - in queeren Kontexten großer Beliebtheit erfreuen. Die Farben, die Theatralik, das exotisch Übertriebene lassen diese aus westlicher Perspektive eben campy erscheinen.
Anhand der Analyse aktueller Filmproduktionen und deren Rezeption werden wir versuchen, den Zusammenhang zwischen Queer, Camp und der
Ökonomie herauszuarbeiten.
Die Vortragsreihe: `Sexualität bei der Arbeit` folgt der These, dass `Sexualität` ein wichtiger Faktor für das
Funktionieren von Macht im Feld der Arbeit ist. Die Menschen lassen sich über Sexualität adressieren, als Individuen oder als Gruppe = normal love.
Die Veranstaltungsreihe mit dem Titel `Sexualität bei der Arbeit` wird sich mit der Frage beschäftigen, wie Sexualität, Macht und Arbeit verknüpft sind.
Anschließend: Getränke, Musik
Ausstellung `Normal Love - Precarious Sex. Precarious Work`
Zeit: 19.1. - 4.3.2007, Künstlerhaus Bethanien, Berlin. Mi - So: 14h - 19h
Webseite der Ausstellung
1. `queer guided tour` um 18.00h (in deutscher Sprache):
Die Gäste des Abends, Johanna Schaffer, Nikita Dhawan und Maria do Mar Castro Varela führen durch die Ausstellung.
Johanna Schaffer: Sexuelle Arbeit an den visuellen Strukturen der Anerkennung (= die fotografische Formatvorlage `bürgerliches Subjekt` queeren)
1965 schreibt der Ideologietheoretiker Louis Althusser, dass ideologische Herrschaft bedeutet, dass sich der Protest der Arbeiterklasse in den Darstellungsstrukturen und -formen der bürgerlichen Ideologie ausdrücken muss.
Meine Untersuchung richtet den Blick auf ein anderes Feld des Protestes – das gegen eine heteronormative sexuelle Ordnung gerichtete, will aber diese Aufmerksamkeit für Repräsentationsdominanz und Formen des Protestes beibehalten. Mich interessieren die fotografischen Portraits Del LaGrace Volcanos und Catherine Opies von Transpersonen, Femmes, Butches, Lesbian Boys, Drag Kings und queeren S/MerInnen als sexuelle Arbeit an einem visuellen Vokabular der Anerkennung, d.h. als
Arbeiten, die an den formalen Rastern, in und an den formalen Referenzbegriffen einer herrschenden bürgerlichen (etc.) Ideologie tätig sind. Darin verhandeln diese visuellen Texte enorme Spannungen, die mit der Geschichte der Gebrauchsweisen des Mediums Fotografie zu tun haben, und sie verhandeln diese Spannungen erfolgreich – wenn angesichts der Geschichte fotografischer Darstellungsgewalt das Angenommenwerden der Repräsentationen durch die Repräsentierten als (ein) Maßstab des Erfolges gewertet wird.
2. Um 19.00h beginnen die Vorträge von Johanna Schaffer und Nikita Dhawan/Maria do Mar Castro Varela (in deutscher Sprache) im Rahmen der Reihe: `Sexualität bei der Arbeit`.
María do Mar Castro Varela/ Nikita Dhawan: Nichts ist Unmöglich! Camp, Queer und die Ökonomie
Der bekannte Slogan Toyotas `Nichts ist unmöglich!` fängt mit bemerkenswerter Direktheit die hervorstechendsten Merkmale des Postfordismus ein: Flexibilisierung und Prekarisierung. Laut Erfinder des Produktionsmodells Toyota, werden im Postfordismus die
grundlegenden Kategorien der Gesellschaft des ausgehenden 20.Jahrhunderts gerade `umgekehrt gedacht`. Nichts scheint hier im doppelten Sinne unmöglich: alles ist mach- und denkbar und nichts scheint verwerflich.
Die Idee des Camp, die gerne im Zusammenhang mit `queerer Ästhetik` gedacht wird, scheint in dieser Logik gar nicht schlecht zu funktionieren. So feiert Camp das Übertriebene und Ironische und stellt die Form immer vor den Inhalt. Es ist deswegen nicht widerspruchsvoll,
dass Bollywoodfilme sich auch – oder insbesondere - in queeren Kontexten großer Beliebtheit erfreuen. Die Farben, die Theatralik, das exotisch Übertriebene lassen diese aus westlicher Perspektive eben campy erscheinen.
Anhand der Analyse aktueller Filmproduktionen und deren Rezeption werden wir versuchen, den Zusammenhang zwischen Queer, Camp und der
Ökonomie herauszuarbeiten.
Die Vortragsreihe: `Sexualität bei der Arbeit` folgt der These, dass `Sexualität` ein wichtiger Faktor für das
Funktionieren von Macht im Feld der Arbeit ist. Die Menschen lassen sich über Sexualität adressieren, als Individuen oder als Gruppe = normal love.
Die Veranstaltungsreihe mit dem Titel `Sexualität bei der Arbeit` wird sich mit der Frage beschäftigen, wie Sexualität, Macht und Arbeit verknüpft sind.
Anschließend: Getränke, Musik
Ausstellung `Normal Love - Precarious Sex. Precarious Work`
Zeit: 19.1. - 4.3.2007, Künstlerhaus Bethanien, Berlin. Mi - So: 14h - 19h
- Veranstalter*in
- Externe Veranstaltung
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