Vorurteile

Vorurteile

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Fragen an GreenCampus-Trainerin Tupoka Ogette

Du gibst Seminare zu der Frage, wie man Vorurteile erkennen und ihnen entgegenwirken kann. Woher kommen überhaupt Vorurteile und Stereotypen und welche Bedeutung haben sie?

Vorurteile haben wir alle ständig. Sie „helfen” unserem Gehirn, Zeit zu sparen und mehr Platz und Raum für andere Vorgänge zu schaffen. Das Problem bei Vorurteilen ist: Wir schließen von einer oder mehreren Personen einer bestimmten Gruppe auf alle Personen dieser Gruppe und von der ganzen Gruppe dann wieder auf die eine Person. Das ist immer falsch. Dessen sollten wir uns bewusst sein.
Vorurteile werden gefährlich, wenn sie in Verbindung mit Macht auftreten. Dann werden sie schnell zu Gift, denn dann wird eine Story zu der alleinigen Story, wie die Schriftstellerin Chimamanda Adichie so schön sagt. Und dann nutzen wir diese Vorurteile, um unser ausgrenzendes Verhalten zu legitimieren.

Viele engagieren sich für geflüchtete Menschen. Dennoch haben einige manchmal ein mulmiges Gefühl und wissen nicht genau, ob oder warum bestimmte Wörter oder Handlungen missverständlich oder gar rassistisch sind. Wie kann man erkennen, inwiefern man selbst Vorurteile hat?

Ich glaube, dass wir eigentlich ziemlich genau wissen, wann wir Vorurteile haben und dass wir welche haben. Wir haben aber gelernt, dass Vorurteile etwas Schlechtes sind. Dementsprechend tun wir oft so, als hätten wir keine bzw. haben Angst, uns unseren eigenen Vorurteilen zu stellen. Und dies wiederum verhindert den so wichtigen Dialog darüber, wo sie herkommen, wie sie Menschen schaden und wie wir sie abbauen können. Der erste Schritt wäre also für mich, tief Luft zu holen und einmal mutig in mich hineinzuhören. Was rassistische Sprache und Handlungen betrifft, ist Wissen Macht: Je mehr ich um rassistische Strukturen weiß und je mehr Perspektiven ich mir dazu anhöre oder anlese, desto informierter werde ich.

Wie geht man mit Unsicherheiten am besten um?

Unsicherheiten sind Teil von Veränderungen. Ich persönlich freue mich immer, wenn Menschen in diesem Kontext unsicher sind und ermutige Teilnehmende in den Workshops auch, sich dieses Gefühl anzueignen bzw. sich nicht so sehr erschrecken zu lassen von dem Gefühl der Unsicherheit. Gesellschaftliche Zustände und Konstrukte, die seit vielen Jahrhunderten existieren und in denen ich mein Leben lang sozialisiert wurde, lassen sich nicht über Nacht demontieren. Das braucht Zeit – und Aushandlungsprozesse, die wiederum mit Gefühlen wie Angst, Sorge, Wut oder Unsicherheit einhergehen. Daher mein Appell: Mut zur Unsicherheit!

Du hast schon unter anderem in England, in Tansania und den USA gelebt und gearbeitet. Inwiefern hat sich das auf deine Arbeit als Anti-Rassismus-Trainerin für Vielfalt und Antidiskriminierung ausgewirkt?

Es ist natürlich immer bereichernd, andere Kontexte, andere Menschen und somit andere Perspektiven als die eigene kennenzulernen. Ich habe in diesen Zeiten viel über mich gelernt und darüber, wie eng auch meine Perspektive an vielen Stellen ist und wie viele Lebensrealitäten es gibt. Was das Thema Rassismus betrifft, musste ich feststellen, wie wirkmächtig das Thema weltweit ist. Ich habe – noch – keinen Kontext gefunden, in dem Rassismus nicht existent ist. Das ist traurig oder erschreckend. Und ich habe festgestellt, dass Deutschland zwar nicht mehr oder weniger rassistisch ist als andere Länder, aber dass der Dialog über das Thema Rassismus hier leider noch in den Kinderschuhen steckt, vor allem im Vergleich mit den USA oder England. Es gibt noch viel zu tun.

 

Tupoka Ogette

Tupoka Ogette arbeitet als Expertin und Trainerin für Vielfalt und Antidiskriminierung vor allem zu den Themen Diversity, Antirassismus, vorurteilsbewusster Bildung und Empowerment. Ihre Vision ist es, Unterschiede nicht nur zu feiern, sondern als Kraftquellen erlebbar zu machen. Ihr Ziel ist es, historisch gebildete Machtstrukturen wie Rassismus oder Sexismus aufzuweichen und positiv zu wenden. Dabei ist es ihr Bemühen, achtsame, machtkritische, wertschätzende und vor allem empowernde Räume für alle Beteiligten zu kreieren. Mit ihrer Arbeit will sie aktivierend und ermutigend auf Menschen und Gruppen wirken und Mut machen zur Selbstreflektion, zu Veränderung und zum Perspektivwechsel.

 
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